13.u.14.2.2020 Vorträge und Workshops mit Daniela Rothe und Daniel Wrana

Programm:

Vorträge am 13.2.20 im Raum KA 106 an der PH Freiburg:

16h Daniela Rothe (Universität Duisburg-Essen): „Über das Schreiben als Mittel der Analyse und der Darstellung in diskurs- und subjektivierungs­analytischen Untersuchungen“

17h Daniel Wrana (Martin-Luther-Universtät Halle-Wittenberg): „Das Ungesagte zur Sprache bringen… Zur Analyse des nicht-gesagten in diskursiven Praktiken“

Am Freitag, den 14. Februar 2020 findet von 9h bis 16h30 im Raum 206 im KG 4 ein Auswertungsworkshop mit Daniela Rothe und Daniel Wrana zur diskursanalytischen Interpretation und dem Erstellen von Analysetexten qualitativer Daten statt, in dessen Rahmen mit Material der Doktorandinnen der Nachwuchsforschungsgruppe gearbeitet wird.


Abstracts zu den Vorträgen:

Daniela Rothe:

Über das Schreiben als Mittel der Analyse und der Darstellung in diskurs- und subjektivierungs­analytischen Untersuchungen

„Zur Orientierung von Leserinnen und Lesern möchte ich darauf hinweisen, dass es etwas Geduld und Konzentration erfordert, meinen Ausführungen zu folgen“ (Rose 2012: S. 23).

(Dieser Satz eröffnet ein Unterkapitel der von Nadine Rose (2012) vorgelegten Studie über Bildung in der Migrationsgesellschaft, das mit „Lesehilfen“ überschrieben ist.)

In qualitativ-empirischen Forschungsarbeiten spielt das Schreiben eine doppelte Rolle: Es dient zunächst als Medium der Erkenntnisproduktion. In Interpretations- und Analysetexten schreiben wir Texte über Texte, in denen wir versuchen das Datenmaterial differenziert zu verstehen und darin nicht nur das Besondere des Falls wahrzunehmen, sondern auch das Allgemeine herauszuarbeiten, um auf diese Weise zur Theoriebildung beizutragen. Teil des wissenschaftlichen Diskurses werden diese Erkenntnisse aber nur dann, wenn es gelingt, sie so darzustellen, dass sie für andere lesbar und verstehbar sind. Und auch dabei spielt das Schreiben – nun als Mittel der Darstellung – eine zentrale Rolle.

Im Vortrag werde ich zunächst einige Beobachtungen formulieren, die ich bei der Lektüre ausgewählter diskurs- und subjektivierungsanalytischer Studien gemacht habe. Dabei geht es mir besonders um die Ansprüche, die Autor*innen an sich selbst und die Leser*innen stellen, und welche Konsequenzen sich daraus für das Schreiben und das Lesen dieser Texte bedeutet. Anschließend werde ich der Frage nachgehen, welche Darstellungsstrategien Autor*innen entwickelt haben, die mit diskurs- und subjektivierungstheoretischen Perspektiven arbeiten. Das soll ermöglichen, gemeinsam über Vor- und Nachteile dieser Strategien nachzudenken und zu diskutieren, wie diese verändert und weiterentwickelt werden können. Dafür sind sowohl methodologische Überlegungen als auch schreibdidaktische Erwägungen relevant.


Daniel Wrana:

Das Ungesagte zur Sprache bringen…
Zur Analyse des nicht-gesagten in diskursiven Praktiken

Wenn über die Forschungspraxis der Diskursanalyse gesprochen wird, taucht oft die Frage auf, wie man denn das Nicht-Gesagte analysieren könne. In gewisser Hinsicht ist die Frage eigenartig, denn für jede Form von Analyse und Interpretation ist es notwendig, dass das, was die Analyse als Ergebnis produziert, etwas ist, das nicht im explizit im Material ist. Wenn es anders wäre, wäre eine Analyse ja nur die zusammenfassende Paraphrasierung dessen, was ohnehin auf der Hand liegt. Die Brisanz der Frage kommt daher, dass die Diskursanalyse dem Anspruch nach an der Positivität des im Material vorhandenen ansetzt, dass sie einen Stil der Enthaltsamkeit gegenüber der spekulativen Interpretation des subjektiv gemeinten Sinns pflegt. Die Frage, was denn dann eigentlich der Gegenstand ihrer Analyse ist, führt mitten hinein in Grundfragen jeder empirischen Analysepraxis. Was ist ein analytischer Gegenstand? Soll oder kann eine Analyse „objektiv“ sein? Wie kommt überhaupt man dazu „Strukturen“ zu analysieren? Ist interpretieren und analysieren dasselbe? Spielt es eine Rolle, wenn mein*e Interpartner*in lügt?  Die praktischsten Fragen sind manchmal die theoretischsten und die konkretesten die abstraktesten. Der Vortrag wird ein paar Spuren im Dickicht zwischen Diskursanalyse und qualitativer Forschung markieren.

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